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Haiku – das kürzeste Gedicht der Welt

1. August 2017 - 11:06

Haiku - das kürzeste Gedicht der Welt

Liebe buchschwestern,
das (oder der) Haiku ist eine sehr alte und traditionsreiche Gedichtform aus Japan. Geprägt wurde der Begriff Haiku maßgeblich im 17. Jahrhundert unter anderem von Matsuo Bashō und Masaoka Shiki. Sie und eine Handvoll anderer japanischer Dichter brachten das Haiku in die heute immer noch geläufige Form.
Wir wollen Euch kurz und knapp erklären, was ein Haiku ist und wie Ihr selbst ein Haiku verfassen könnt. Wenn Euch das Thema mehr interessiert, könnt Ihr ja mal Euren Deutschlehrer fragen, ob er Haikus als Unterrichtsthema aufnehmen kann oder er Euch Material dazu zur Verfügung stellen kann. Vielleicht dürft Ihr ja auch mal ein Referat oder ein eigenes Nachmittagsprojekt dazu ausarbeiten. Genügend Gesprächsstoff liefern Haikus allemal. ;)

Wie funktioniert ein Haiku?

Ein Haiku besteht nicht, wie wir es von der europäischen Gedichtform normalerweise kennen, aus sich reimenden Versen. Allenfalls im japanischen Original entsteht ein uns aus Gedichten bekannter „Rhythmus“. Trotzdem ist das Haiku weltweit sehr beliebt. Das liegt unter anderem daran, dass es kurz und knapp eine Situation objektiv widerspiegelt. Außerdem ermöglicht das Haiku eine Erzählmethodik, bei der der Leser aktiv miteinbezogen wird: Der Leser muss nämlich selbst denken und die Situation bewerten. Hier mal ein Original-Beispiel von Matsuo Bashō:

Originalschriftzug:

古池や
蛙飛び込む
水の音

Romanji (Also in lateinischen Buchstaben „romanisiert“):

furu ike ya
kawazu tobikomu
mizu no oto

Mögliche Übersetzung:

Der alte Weiher:
Ein Frosch springt hinein.
Oh! Das Geräusch des Wassers.

Andere Übersetzungsvariante:

Uralter Teich.
Ein Frosch springt hinein.
Plop.

Selbst ein Haiku schreiben

Um ein Haiku zu schreiben, muss man viele Dinge beachten. Da wir davon ausgehen, dass Ihr keine Sprachwissenschaftler seid, haben wir fünf Grundregeln aufgestellt, mit denen Ihr schon sehr spannende und schöne Haikus schreiben könnt.

1. Immer im Präsens

Haikus spiegeln immer ein Ereignis in der Gegenwart wider. Sie sind eine Momentaufnahme und deswegen überall und jederzeit im Alltag integrierbar. Es gibt sogar Menschen, die immer ein Haiku-Tagebuch bei sich tragen. Kommt ihnen dann in einer Situation ein Lichtblitz, notieren sie den Moment als Haiku, um sich jederzeit wieder an die Idee erinnern zu können.
Haikus können also als Gedächtnisstütze genutzt werden und sollten auch zeitnah nach der Situation, die man in einem Haiku festhalten möchte, geschrieben werden.

2. Drei Zeilen und 5-7-5 Silben

Haikus sind besonders wegen ihrer Kürze so beliebt und populär. Immerhin sind sie mit gerademal drei Zeilen die kürzeste Gedichtform der Welt! In jeder Zeile ist außerdem eine besondere Silbenzahl vorgeschrieben. In der ersten Zeile sind es fünf, in der zweiten sieben und in der letzten Zeile wieder fünf Silben.
In Japan gibt es natürlich keine klassischen Silben, so wie hier in Deutschland. Dort haben die Schriftzeichen ganz bestimmte Laute, sogenannte Moren, die ein Wort oder einen Satz ergeben. Am oberen Beispiel erklärt, sehen die Moren (Einzahl = Mora) so aus:

Fu-ru i-ke ya (5)
Ka-wa-zu to-bi-ko-mu (7)
mi-zu no o-to (5)

3. Ein Haiku hat ein Kigo

Ein Kigo ist ein Wort oder eine Phrase, die in Japan mit einer bestimmten Jahreszeit in Verbindung gebracht wird. Beinhaltet ein Haiku zum Beispiel „Kirschblüten“, so weiß jeder Japaner: Es ist Frühling.

Kigo spiegeln außerdem immer eine ganz spezielle Stimmung wider. So beschreiben ein Kigo von fallendem Laub und ein Kigo vom Vollmond beide den Herbst. Allerdings spiegelt das fallende Laub eine Melancholie wider, während der Vollmond eher etwas Romantisches und Zusammengehörigkeit ausstrahlt.
Beliebte Kigo für die Sommerzeit in Japan sind neben Sommer (natsu) auch noch Zikaden (semi), Regenzeit (tsuyu), Schwertlilien (ayame) oder heiß (atsushi). Natürlich könnt Ihr für Euer Haiku auch eigene Kigo „erfinden“, die dann mehr zum deutschen Sommer passen. ;)

4. Immer objektiv bleiben

Ein Haiku ist immer objektiv und ohne eigene Bewertung der Situation. Ein Haiku soll nämlich den Leser in die Situation werfen, die der Verfasser des Haikus erlebt hat. Dann hat der Leser die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, was er in dieser Situation empfindet.

Außerdem bleibt das Ergebnis eines Haikus immer offen. Es gibt keinen Anfang und kein Ende, sondern nur den Moment, in dem etwas passiert.

5. Meisterklasse: Symbolik und Natur

Der letzte Tipp ist nur etwas für geübte Schreiberlinge und dichtende buchschwestern. In Haikus spielt nämlich die Natur und Symbolik eine ganz große Rolle. Neben den Kigo verstecken sich in Haikus nämlich Gefühle, Probleme und Sorgen des Verfassers.

Dazu muss man sagen, dass Japaner eher die kleinen Dinge im Alltag betrachten und auf kleine Gesten großen Wert legen. Ein Geschenk, die Tür aufhalten oder eine Verbeugung zur Begrüßung sind in Japan eine Art Pflicht beim Umgang miteinander. Diese Wertlegen auf Kleinlichkeiten entdeckt man auch in der japanischen Schrift, wo ein Häkchen einem Schriftzeichen bereits eine völlig neue Bedeutung gibt. Man findet dieses Phänomen auch botanisch bei Bonsaibäumen oder bei den akkuraten Steingärten wider. Und natürlich findet man diese Detailverliebtheit auch in der japanischen Dichtkunst.

Hinzu kommt, dass japanische Schriftzeichen mehrdeutig sind und dass Tieren und Pflanzen besondere Eigenschaften oder Phänomene zugesprochen werden. So steht ein Frosch beispielsweise für Glück.

Im Deutschen gibt es auch solche Begriffe. Neben sogenannten „Teekesselchen“, also Worten mit Doppeldeutungen, sprechen wir zum Beispiel Marienkäfern und Schornsteinfegern Glück zu.

„12 Jahre“ als Haiku

Variante 1:

Kirschblütenstürme
im Herz des Mädchens entfacht
Neugier nach Küssen

Variante 2:

Jungs im Wettstreit blind
Mädchen bleibt im Regen steh’n
Zwei Sprachen ein Sinn

Oder, wenn jedes Wort als ein Mora zählt:

Liebes-Kummer, Sehn-Sucht, Küsse
Zwölf Jahre alt und plötzlich total verwirrt
Hanabis Schul-Alltag ein Abenteuer

So. Jetzt da Ihr wisst, was ein Haiku ist und wie man selbst eines schreibt, könnt Ihr Euch selbst an Haikus versuchen. Am besten Ihr probiert Euer Glück gleich bei unserem Gewinnspiel zum Manga-Highlight des Sommers: 12 Jahre.

Hier kommt Ihr direkt zum Gewinnspiel.

Liebe Grüße, viel Spaß und viel Glück
Euer buchschwestern-Team



Kommentare

Bild des Benutzers Lesemaus_12

von Lesemaus_12 am

Mein Bruder hat mir mal von Haikus erzählt und mir auch gezeigt wie's geht. Hoffentlich bekomme ich das auch alles so hin ^^"

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von Lily911 am

...für die Erklärung! So weiß man, wie ein Haiku doch geschrieben wird. Habe aber vor erst zwei Wochen eins geschrieben. ☺❤

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von lämmle am

darf man auch mehrere machen???

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von lämmle am

das ist mein Ding. Ich liebe Haikus, und wir machen das ständig. Wenn wir am Abendtisch sitzen machen wir ganz oft zum Spaß Haikus. Die werden meistens sehr lustig, nur bei meinem Papa nicht. bei ihm sind sie allerdings so schön, dass meine Mutter immer sagt, er soll mal einen Gedichtband veröffentlichen. Ich habe eine japanische Patentante. Sie ist Opernsängerin und sing mir manchmal Haikus vor, obwohl man das eigentlich nichtmal in Japan macht. Aber sie findet es so toll, dass wir Haikus so lieben. Oh mann, da werd ich mir zeit lassen, um einen richtig schönen zu schreiben.
Findet ihr die 5 Vers Zeile auch die Schwierigste? das passt irgendwie einfach nicht so richtig zu der deutschen Sprache. 4 wäre viel leichter.Oder?

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von Carlotta Prinz am

Super, will ich mal ausprobieren! Ich glaube, Manu von der Carlotta-Reihe hat auch mal einen Haiku aufgeführt, in "Carlotta-Herzklopfen im Internat".

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von Lily911 am

Da habe ich zuerst das Wort Haiku gehört! Wenn Manu das sehen würde wäre sie Feuer und Flamme! ☺

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von ConniFan T.14 am

In der Grundschule hatten wir als Thema auch mal Gedichte. Es gab auch das Haiku aber so genau wusste ich noch nie wie es geht :)

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von lila Stern 4 am

Hoffe ich bekomm das alles hin ;-)

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